Zeitungsartikel (Diskussion)
UN-Sondergesandte Margot Wallström
SIE kämpft gegen die Massen-Vergewaltigungen im Kongo
10.10.2010
Im Sommer vergwaltigten Rebellen fast 500 Menschen. Jetzt wurde endlich einer der Täter gefasst
Anna Mburano liegt blutend auf dem Boden in ihrer Hütte. Draußen hört sie ihre Peiniger grölen, als ob sie feierten. Wahrscheinlich sind die Männer bereits auf dem Weg zu ihrem nächsten Opfer. Anna Mburano wurde gerade vergewaltigt. Sie ist 80 Jahre alt.
So berichtet die "New York Times" über die Nacht vom 30. Juli, als Rebellen in Anna Mburanos Hütte im Osten des Kongo stürmten.
Fast 500 Frauen, Kinder, sogar Männer wurden Juli 2010 vergewaltigt. Manche von ihnen mehrmals. Die Gewaltorgie dauerte vier Tage!
VEREINTE NATIONEN SCHLAGEN ALARM
Nun senden die UN die blonde Schwedin Margot Wallström (56). Sie ist die Sonderbeauftragte gegen sexuelle Gewalt in bewaffneten Konflikten. Sie sagt den Kongo-Rebellen den Kampf an.
Margot Wallström (verheiratet, zwei Kinder), bis 2009 Vizepräsidentin der EU-Kommission, spricht von "Horror", wenn sie über die Situation im Kongo spricht.
"Sollten diese Verbrechen andauern, werden sie das Land zerstören", sagt sie. "Sie werden die ganze Gesellschaft brutalisieren, von einer Generation zur anderen."
Die Vereinten Nationen bezeichnen die sexuelle Gewalt im Kongo als die schlimmste weltweit.
Am Mittwoch dann ein erster Erfolg: Sadoke Kokunda Mayele, ein hochrangiger Rebellenkommandeur, der an der Massenvergewaltigung beteiligt war, wurde festgenommen.
Margot Wallström: "Es ist ein Sieg der Gerechtigkeit, insbesondere für die vergewaltigten Frauen."
WAS TREIBT DIE IRREN KONGO-REBELLEN?
Es geht um Macht. Um Furcht einflößende, alles bestimmende, brutalste Macht. Je grausamer der Kämpfer, desto größer seine Chancen, innerhalb der Gruppe aufzusteigen. Je mächtiger die Gruppe, desto besser die Verhandlungsposition mit Regierung und Armee.
DIE MENSCHEN IM KONGO GEHEN DURCH DIE HÖLLE!
So lange die Rebellen in der Nähe sind, gehen die Vergewaltigungen weiter. Die Anwesenheit der UN-Soldaten hilft bisher nicht viel. Die meisten Frauen gehen nach Hause und erzählen nichts von dem Vorfall. Sie schämen sich oder haben Angst, von ihrem Mann wegen der Schande verstoßen zu werden.
Es kommt sogar vor, dass Frauen und Mädchen direkt vor den Augen ihrer Männer, Eltern oder Geschwister vergewaltigt werden.
Abscheulich: Manche Frauen müssen entscheiden, ob sie sich sexuell missbrauchen lassen oder sich weigern - und dann zusehen müssen, wie ihre Männer, Kinder, Eltern ermordet werden.
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